Vergnügen mit Tiefgang

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Sich in einer neuen Umgebung und an einer neuen Schule einzuleben, ist für San Lee mittlerweile Routine. Und an jeder neuen Schule, an die er kommt, entwirft er für sich selbst eine neue Identität, um Anschluss zu finden und sich beliebt zu machen.  Harrisonville, Pennsylvania, soll allerdings nicht nur eine weitere Zwischenstation sein, und so sieht sich San mit der Frage konfrontiert, wer er wirklich sein will. Dass er adoptiert ist, sein Adoptivvater wegen diverser Betrugsdelikte im Gefängnis sitzt und zu Hause das Geld für neue Winterschuhe fehlt, sind allerdings nicht unbedingt Dinge, die er gern preisgeben möchte.  Ein Zufall im Sozialkundeunterricht nimmt San schließlich die Entscheidung fürs Erste ab: Da er in seiner alten Schule das Thema bereits durchgenommen hat, kann er mit seinem Wissen über Zen-Buddhismus glänzen, und gemeinsam mit seinem asiatischen Aussehen legt das für viele seiner Mitschüler und Lehrer die Annahme nahe, dass San selbst Zen-Buddhist sein muss. San beginnt, sich über den Zen-Buddhismus näher zu informieren und schlüpft immer mehr in die Rolle des in sich ruhenden Buddhaanhängers.

So gewinnt er auch das Interesse von Woody, für die er seit seinem ersten Tag an der Schule schwärmt. Trotz des Erfolgs in seiner neuen Rolle beginnt San jedoch mit der Zeit, sich unwohl zu fühlen: Einerseits fühlt er sich schlecht dabei, Woody etwas vorzuspielen, andererseits hat er Bedenken, dass er durch die Lügengeschichten werden könnte wie sein Vater, den er für seine Betrügereien und den Schmerz, den er damit Sans Mutter zugefügt hat, verabscheut. Und schließlich tritt tatsächlich Sans schlimmste Befürchtung ein – Woody kommt dahinter, dass er nicht in jeder Hinsicht derjenige ist, der er zu sein vorgibt …

Jordan Sonnenblick thematisiert in seinem Roman Probleme, mit denen sich wohl jeder Jugendliche in gewisser Weise konfrontiert sieht, allen voran die Schwierigkeiten der eigenen Identitätsfindung. Die Erzählung aus der Perspektive San Lees ist durch die unkomplizierte Sprache gut zugänglich und lässt den Protagonisten nahbar, sympathisch und authentisch erscheinen. Auch die in vielerlei Hinsicht ungewöhnliche Geschichte wirkt durch zahlreiche Rückblenden und Einblicke in Sans Gedanken und Gefühle keineswegs konstruiert, sondern glaubhaft und dadurch umso einnehmender. Ein auch sprachlich sehr angenehmes und kurzweiliges Lesevergnügen, das durchaus thematischen Tiefgang besitzt.  Buddha-Boy von Jordan Sonnenblick ist bei Carlsen erschienen.

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