Die Zeit der Wunder

Die Zeit der Wunder

Blaise Fortune ist Bürger der Französischen Republik, 20 Jahre alt, Student, und lebt mit seiner Freundin in Paris. Er sitzt am Flughafen  und wartet auf einen Flug nach Georgien, um dort eine Frau zu suchen, die er vor acht Jahren zum letzten Mal gesehen hat – als sie ihn bat, in einen Viehtransporter zu steigen, der ihn illegal über die Grenze nach Frankreich bringen sollte.
Quer durch den Kaukasus ist Blaise – damals noch unter dem Namen Koumail – geflohen, um den Grausamkeiten des Krieges zu entkommen. Die Geschichte seiner Kindheit erzählt er aus sehr persönlicher Sicht: vom „Großen Haus“ erfährt der Leser, der ersten Station, an die er sich erinnern kann; von der Flucht mit seiner Ziehmutter Gloria durch die Berge; von Hunger, Angst und Kälte. Gleichzeitig aber auch vom Miteinander, von Freundschaften, Hilfsbereitschaft und vor allem von Träumen. Der größte Traum ist Frankreich, denn von Gloria weiß Koumail, dass er einen französischen Pass besitzt, eigentlich Blaise Fortune heißt und dass in Frankreich auf beide ein besseres Leben wartet.   „Die Zeit der Wunder“ ist ein leises Buch, das weniger durch eine rasante Aneinanderreihung von Höhepunkten als vielmehr durch die Kraft der sprachlichen Bilder und den Sog der Geschichte besticht.  Der Leser erlebt das Geschehen durch die Augen des Flüchtlingsjungen Koumail, dessen Betrachtung der Schrecken des Krieges einerseits beinahe rührend unbedarft ist, der gleichzeitig aber durch alles, was ihm widerfährt, viel weiser erscheint, als sein Alter es vermuten lassen würde: „Im Leben läuft nichts so, wie man es gerne möchte.“
Dennoch ist Anne-Laure Bondoux‘ Roman kein bedrückendes Buch. Hoffnung und der Glauben an das Glück sind die wichtigsten Stützpfeiler, die Koumail durch alle Widrigkeiten des Lebens tragen, bis zu dem Tag, an dem er in der Abflughalle des Flughafens sitzt.
Die Zeit der Wunder von Anne-Laure Bondoux ist bei Carlsen erschienen.

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