Plötzlich schauen das zehntausende Menschen

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Die vier Gründer von Rocketbeanstv (von links): Daniel Budiman, Etienne Gardé, Simon Krätschmer und Nils Bomhoff. (Foto: Rocket Beans)

Wächtersbach/Flörsbachtal-Lohrhaupten (rim). Mit Giga Games und eSports ging es los. Bis 2006 waren dort Simon Krätschmer und Daniel Budiman als Moderatoren tätig. Nach Giga entwickelten Krätschmer, der ursprünglich aus Lohrhaupten kommt und in Wächtersbach aufwuchs, und Budiman die bekannte Sendung „Game One“, inzwischen sind beide zusammen mit den Moderatoren Nils Bomhoff und Etienne Gardè zu einem eingeschworenen Team geworden und haben ein neues, innovatives Konzept entwickelt: Mit einem Livestream-Kanal senden sie 24 Stunden am Tag sowohl Liveprogramm als auch aufgezeichnete Unterhaltungsformate. Das Konzept geht auf.  Täglich schauen rund um die Uhr tausende Zuschauer ihren Rocket Beans beim Zocken zu und kommentieren das Geschehen.

Zu der Zeit als Game One noch ausgestrahlt wurde, war die Sendung vor allem eine Testplattform für Videospiele. Wichtigste Zutat für die Sendung rund um Spiele: der Humor. Teilweise wurden Inhalte parodiert, das ganze Format drehte sich um den Spaß an Videospielen. „Das Problem: Schon vor dem Ende von Game One war absehbar dass sich die Sendung nicht auf Dauer refinanziert“, erklärt Krätschmar. Aus diesem Grund haben die vier Moderatoren schon früh angefangen, in Richtung Youtube zu schielen.
„Wir haben nach einem zweiten Standbein geschaut und wollten eine große Zielgruppe.“ Die haben sie erreicht, auch wenn es ein langer Weg bis zu dem Meilenstein der 100 000 Abonnenten war. „Das Ende von Game One hat schließlich gut in unsere Pläne gepasst.“ Recht schnell wurde aus der Idee „Youtube“ ein Twitch Sender. „Wir nahmen uns vor, den ganzen Tag zu senden – Youtube wurde dadurch eher zur Mediathek statt zum Sender.“ Mit diesem Konzept sind die Rocket Beans zu absoluten Vorreitern in Deutschland geworden. Für das Web-TV-Format sind die vier Hamburger Programm-Macher auch in Düsseldorf mit dem Webvideopreis in der Kategorie „Person of the Year – Male“ ausgezeichnet worden. Der Preis bezeugt, dass die vier das Webvideo-Jahr entscheidend geprägt und einen Unterschied gemacht haben. Sie haben sich gegen starke Konkurrenten wie die Lets Player Gronkh und Ungespielt durchgesetzt. „Die haben uns gewinnen lassen“, sagt Krätschmer lachend.
Immer mehr Zuschauer wollen immer mehr Live-Kontent. „Diesen Zuschauern ist es weniger wichtig was gespielt wird, sondern das es live gespielt wird“, sagt Krätschmer. „Das sind Erfahrungswerte, die wir gerade erst machen. Twitch wird zu einem neuen Medium, es ist zeitgemäßer als Youtube. Es geht mehr darum, im Moment leben, als darum, Archivmaterial zu schauen.“ Die Rocket Beans nutzen Twitch als eine Art Fernseh-Plattform – „nur ohne tausende Regeln. Wir können viel ausprobieren, viel experimentieren. Das macht diese Idee aus.“
Die Live-Sendung ist unterteilt in mehrere Formate – ein Lieblingsformat hat Krätschmer nicht direkt. „Es gibt so viele Ideen, an denen das Herz hängt – und alle klemmen sich hinter die Umsetzung.“ Ein Format, dass er heraushebt, ist „Erwachsene Männer hören Jan Tenner“. Wie der Name schon sagt, hört das Team die Hörspiel-Serie Jan Tenner und schwelgen in Erinnerungen.
Ein Erfolgsformat ist zudem „Pen and Paper“. „Ich denke, dass liegt viel daran, dass das Spiel Personen-orientiert ist. Unser Spielleiter Hauke Gerdes kann die Fantasiewelten lebendig machen und nimmt die Zuschauer auf die Reise mit“, sagt der Moderator. „Wir waren uns vorher sicher, dass das keinen interessiert – und plötzlich schauen das zehntausende Menschen.“ Das Beste für Krätschmer ist, dass die Produktion des ganzen noch immer „in der alten Bude“ von statten geht. Zwei weitere Häuser wurden gemietet um mehr Platz für das Studio zu schaffen. „Hier regt sich niemand auf, wenn wir als Zombies verkleidet durch die Straßen rennen. Ich glaube, wir ziehen hier nie wieder aus.“ Teilweise kennt er Teammitglieder seit über zehn Jahren. „Nach und nach verlieren wir den ein oder anderen an die Erwachsenenwelt – aber das ist normal. Wir haben hier alle ein Gefühl von Zuhause.“
Der Traum für ihn ist, das der Sender sich über einen längeren Zeitpunkt als die nächsten zwei Monate finanziert. „Es ist schwer zu sagen, was in Zukunft kommt. Wir wollen einfach einen coolen Sender aufbauen, der den Zuschauern zusagt und ein wenig abseits des Mainstreams ist.“ Unabhängigkeit ist das Stichwort: „Über uns hängt im Grunde ein Damoklesschwert. Jederzeit kann eine finanzielle Säule wegfallen. Wer auf Mainstream setzt bekommt eben mehr Unterstützung als der, der auf Videospiele setzt“, sagt er lachend. „Wir sind in der Mitte unseres großen Plans angekommen und haben noch viel vor.“

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