Autorin mit Freiheiten

Biebergemünd (fpf). Der Traum von einer Schriftstellerkarriere ist vielen jugendlichen Nachwuchsautoren gar nicht fremd. Wer allerdings seine Hoffnungen auf die großen Verlage setzt, wird vielfach enttäuscht. Da kann es eine Alternative sein, die Dinge selbst in die Hand zu nehmen: Stichwort Self-Publishing. Die  Direktveröffentlichung über alternative Publikationswege – etwa Books on Demand oder Amazons Service Kindle Direct Publishing – ist inzwischen nicht nur schnell und unkompliziert, sondern kann abhängig von Genre und Autorenpersönlichkeit noch zahlreiche weitere Vorteile gegenüber der klassischen Manuskripteinreichung haben. Diese weiß auch Vera Leitsch aus Biebergemünd zu schätzen: Die 23-Jährige arbeitet in Vollzeit als Bankkauffrau, studiert nebenher, macht Musik. Für viele wäre das bereits mehr als genug, um ihre Tage auszufüllen. Bereits, seit sie einen Stift halten kann, brennt in Vera Leitsch jedoch auch die Leidenschaft für eigene Geschichten – und so sind unter verschiedenen Pseudonymen mittlerweile mehrere im Selbstverlag erschiene Bücher von ihr bei amazon.de zu haben.

Zum Self-Publishing ist Vera Leitsch zunächst eher zufällig gekommen. Ein Verlagsvertrag war unglücklich geplatzt, eine Bekannte aus der Branche erklärte sich jedoch bereit, ihr mit Lektorat und Korrektorat zur Seite zu stehen, um Veras Buch dennoch auf den Weg zu bringen. Books on Demand war der Kanal der Wahl, und so erschien unter dem Pseudonym Valentina Kramer im November 2014 ihr erster High-Fantasy-Roman.
Um alles, was sonst ein Verlag übernehmen würde – den literarischen Feinschliff, die Titelfindung, die Gestaltung des Covers – und auch um die Werbung für ihr Buch musste Vera sich dabei selbst kümmern. Im Gegenzug jedoch behält sie als Autorin die größtmögliche Freiheit, die bei einem Verlagsvertrag mit Sicherheit beschnitten worden wäre: „So bin ich für die Geschichte, das Marketing und alles rund um mein Buch selbst verantwortlich – ich muss mir von niemandem hineinreden lassen, kann aber auch niemanden für eventuelle Fehler verantwortlich machen.“
Auch Kosten entstehen den Autoren, die sich für die Selbstveröffentlichung entscheiden, in der Regel nur in überschaubarem Rahmen: Ein professionelles Lektorat ist sicherlich empfehlenswert – „Nichts ist schlimmer, als in der ersten Online-Bewertung zu lesen, dass der Text vor Rechtschreibfehlern strotzt!“ – und geringe und einmalige anfängliche Gebühren fallen bei einigen Anbietern ebenfalls an, damit jedoch hört es bereits auf. Denn das Konzept des Self-Publishing basiert auf der Just-in-Time-Produktion der verlegten Bücher: Erst, wenn tatsächlich ein Kunde ein Buch bestellt, geht dieses in die Produktion. Oder aber, gerade im Fantasygenre und grundsätzlich von technikaffinen jungen Lesern favorisiert, der Roman wird direkt als E-Book geladen – dafür braucht es natürlich nur die Datei, die der Autor seinem Anbieter übergeben hat.
Zwar greift dieser nach dem Verkauf nun mitunter beachtliche Tantiemen ab, doch sei es ohnehin für die Mehrzahl aller Hoffnungsvollen utopisch, vom Schreiben leben zu wollen, meint Vera Leitsch. Ihr eigenes Ziel war das nie, doch das Gefühl, schnell und unkompliziert ihr eigenes Wort in gedruckter Form verfügbar machen zu können und dann auch de facto in der Hand zu halten, hat seinen ganz eigenen Wert. Derzeit arbeitet die junge Schriftstellerin an gleich mehreren Projekten und legt sich auch in Bezug auf das Genre keineswegs fest – zwar wird bald der dritte Band ihrer High-Fantasy-Reihe erscheinen, unter dem Pseudonym Velvett D. Black können jedoch auch jene, die realistische und humoristische Frauenliteratur dem Andersweltlichen vorziehen, bereits ihre Worte schmökern. freisteller
Werbung für ihre Bücher macht Valentina vor allem im Internet und auf Bloggertreffen – Facebook und themenspezifische Foren sind ihre bevorzugten Kanäle. Zwar ist sie dort inzwischen gut vernetzt, durchschaut jedoch auch die ganz spezielle Gesellschaft, in der sie sich schreibend bewegt: „Das ist schon ein eigenes Völkchen“, meint Vera Leitsch, „und das Konkurrenzdenken ist mitunter aggressiver als anderswo.“
Diese scharfe, bisweilen missgünstige Kultur und der ruppige Umgangston, den man antreffen kann, ist denn auch eines der wenigen Dinge, die sie am Self-Publishing stören. Denn natürlich gibt es an dieser Stelle dann keinen Verlag, der sich vermittelnd zwischenschalten kann, um Zwiste zwischen Autoren zu lösen.
Grundsätzlich aber überwiegen für Vera Leitsch eindeutig die Vorteile des von ihr gewählten Publikationsweges, den sie immer wieder gehen würde. Das muss nicht für jeden so sein: „Es kommt definitiv auf die Persönlichkeit des Autors an – viel Freiheit bedeutet eben auch viel Eigenverantwortung.“ Aber wer vom eigenen Roman träumt und weder die Aussicht auf lange Wartezeiten noch auf potentiell frustrierende Eingriffe in die schriftstellerische Freiheit reizvoll findet, der sollte sich nicht scheuen, diese alternative Schiene der Veröffentlichung in Betracht zu ziehen. Und nicht zuletzt die unmittelbar bevorstehende Buchmesse in Frankfurt bietet sicherlich eine der besten Gelegenheiten, sich diesbezüglich umfassend und unverbindlich zu informieren.

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