Was zum Geier ist eigentlich… Booktubing?

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Main-Kinzig-Kreis (fpf). Nach Generation Y kommt Generation Z – würde das Y allerdings für YouTube stehen, träfe die Bezeichnung Generation Y auch und gerade heute auf ausgesprochen viele Jugendliche zu. Denn das Videoportal ist nur zehn Jahre nach seiner Gründung zum festen und unverzichtbaren Bestandteil der Freizeitgestaltung von Millionen Teenagern geworden. Seit einiger Zeit hat die Plattform mit einem neuen Trend nun auch immer mehr jungen Leuten etwas zu bieten, die eigentlich ihre Freizeit statt in der digitalen lieber in der analogen Welt verbringen – zum Beispiel mit einem guten Buch.

Denn nachdem man sich vor Empfehlungsvideos zu Mode, Kosmetikprodukten oder auch Spielzeug ja bereits kaum mehr retten kann, war es im Grunde nur eine Frage der Zeit, bis auch die Leseratten YouTube für sich erobern. Entstanden sind so die inzwischen gleichermaßen von tausenden Followern verfolgten Videos mit Buchempfehlungen und Lesetipps unterschiedlichsten Anspruchs, die sich zusammenfassend unter dem Schlagwort BookTubing gruppieren.
Ein BookTube kann dabei verschiedenste Formen annehmen, ist aber im Grunde zunächst einmal eine Buchbesprechung – oft direkt mehrerer Titel – in Videoform. Viele BookTuber lassen ihren vergangenen Lesemonat Revue passieren und stellen jene Titel vor, die ihnen besonders gefallen haben; andere präsentieren ihre neuesten Errungenschaften, bevor sie sich in die Seiten stürzen. Es gibt jene, die positive wie negative Bewertungen abgeben; anderen gehen in ihren Filmchen beinahe die Superlative aus, so überschwänglich wird jedes einzelne Lektüreerlebnis besungen. Dabei reicht das Spektrum der BookTuber – nicht anders als auf anderen YouTube-Kanälen – gleichermaßen vom sachlichen Typ, dem es tatsächlich in erster Linie um die Weitergabe der Titel lesenswerter Bücher geht, bis zum schrillen Exzentriker, dem man zuvorderst einen Hang zur Selbstdarstellung unterstellen möchte und bei dem eindeutig der Unterhaltungsfaktor überwiegt. Zweifelsohne kann es ebenso lustig wie informativ sein, BookTubern und ihren Empfehlungen zu lauschen, und die persönliche Note der Buchbewertungen hat durchaus ihre positiven Aspekte und ist vielleicht auch zugänglicher als eine getippte Rezension bei amazon.de und Co. Hier liegt jedoch gleichzeitig auch die Schwäche der BookTubes – denn wer nach fundierter, objektiver Bewertung sucht, worum sich etwa Zeitungsrezensionen im Feuilleton neben aller unvermeidlicher Subjektivität des Lesers immer noch bemühen, der sucht auf YouTube die Nadel im Heuhaufen.
An sachlicher Substanz mangelt es den allermeisten der Videos unbestreitbar – das muss nicht zwangsläufig ein Werturteil sein, sollte aber all jenen, die nach neuen Quellen für Inspiration hinsichtlich ihrer zukünftigen Buchinvestitionen suchen, im Bewusstsein bleiben. Und auch die Hoffnungen jener Leseratten, denen nun die Eingebung kommen mag, ihr Hobby zu Geld zu machen, seien an dieser Stelle ein wenig gedämpft: Ja, es gibt jene, die gesponsert werden und mit den Bücherfilmen ein nettes Sümmchen nebenher verdienen. Die große Mehrzahl der BookTuber allerdings lebt im Hinblick auf ihre YouTube-Kanäle von Luft und Liebe, erfreut sich lediglich an den Kommentaren und dem Dialog mit Gleichgesinnten sowie der Möglichkeit zum Austausch über gute Bücher, der in Videoform doch persönlicher erscheint als durch die Veröffentlichung einer schriftlichen Rezension. Und allein der ehrliche Enthusiasmus gerade dieser BookTuber ist schlicht sympathisch.
Wer also nach ein wenig Abwechslung und Alternativen zum analogen oder digitalen Stöbern in der Buchhandlung oder beim Online-Händler sucht, sollte sich nicht scheuen, einmal auf YoutTube zu fahnden; Unterhaltung ist garantiert, und wer auf diesem Weg tatsächlich noch einen Geheimtipp für die nächste Urlaubslektüre entdeckt, für den hat es sich dann gleich doppelt gelohnt.

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