„Wie nach Hause kommen“

Hanau-Klein-Auheim (sb). Hans Müller hat es geschafft: Der Glückliche ist unter allen Mitkonkurrenten nach der eigentlichen schriftlichen Bewerbung, dem Gespräch, sowie dem darauffolgenden Einstellungstest auserkoren worden, seine Ausbildung als Wildtierpfleger in der Alten Fasanerie Hanau zu absolvieren. Jetzt heißt es für Hans Müller noch einmal die Schulbank drücken. Aber mit so einem motivierten und entspannten Team, wie es in der Fasanerie Hanau der Fall ist, der vielen frischen Luft und dem nahen Kontakt zu all den interessanten Tieren, ist dies wie ein lang gehegter Traum, der endlich wahr wird.
Hans Müller
Der Hanauer Wildpark gehört als staatliche Einrichtung dem Landkreis Hessen an, wird vom Forstamt Hanau-Wolfgang betrieben und existiert seit dem 18. Jahrhundert, als der Mainzer Erzbischof Lothar Franz von Schönborn diese Hektar Land zu einer Fasanerie umfunktionierte. Der Park beherbergt neben dem weiten Spektrum an diversen Vogelarten, viele andere Tierarten, wie beispielsweise den Europäischen Wolf oder den Polarwolf, aber auch Katzenartige, wie den Eurasischer Luchs, die Europäische Wildkatze oder verschiedene Hirscharten. Weitere einheimische Tiere wie der Dachs, der Rotfuchs oder das Wildschwein finden hier ein Zuhause. Somit gibt es vor allem für die Tierpfleger eine Menge zu tun.
Hans Müller, der sich selbst als „Hans im Glück“ bezeichnet, da er sich nicht nur von einem schweren Autounfall vor einigen Jahren erfolgreich erholt hat, sondern dazu noch seine Traumausbildung zum Wildtierpfleger in der Fasanerie Hanau-Klein-Auheim bekommen hat, ist mehr als begeistert. Da er bereits mit 14 Jahren während seiner Schulzeit im Park als Kassierer ausgeholfen hat, kannte er die Fasanerie bereits wie seine eigene Westentasche. „Nachdem ich in meinem Leben schon viele unterschiedliche Dinge ausprobiert habe und ich dann schließlich die Stelle vom Tierpark gesehen habe, wusste ich, dass dies das Richtige ist“,  erzählt Hans Müller selbstbewusst. „Es war für mich wie nach Hause kommen.“
Bei seinem Einstellungstest, hat er, nachdem er mit dem Säubern seines Geheges fertig war, seinen Mitkonkurrenten ausgeholfen. „Teamwork ist mir eben besonders wichtig“, erklärt Hans Müller. Auch erzählt er, dass er einen „anderen Blick“ auf manche Dinge besitze, da er bereits eine Zeit lang als Maler und Lackierer gearbeitet habe.
Im August startete die Ausbildung, welche zum Teil schulisch, das heißt, in der Frankfurter Paul-Ehrlich-Schule, und zum Anderen praktisch, innerhalb der Fasanerie, stattfindet. Im ersten Lehrjahr wird von Montag bis Freitag, ab dem zweiten Lehrjahr dann auch am Wochenende gearbeitet: Die Tiere kennen kein Wochenende oder gar Ferien. Der schulische Unterricht ist zwei Mal pro Woche, wobei Mittwoch der sogenannte „Zoo-Tag“ ist. Das bedeutet, dann geht es zusammen mit der „Zooklasse“ für einen pädagogisch lehrreichen Unterrichtstag in unterschiedliche zoologische Gärten. Zooklasse deshalb, da Auszubildende von Zoos, Tierparks und Instituten an den Beruflichen Schulen in Frankfurt Höchst ausgebildet und dementsprechend zusammen unterrichtet werden.
Bislang findet Hans Müller die Ausbildung „zemlich spannend“: „Vor allem die Vielfalt an Wissen über die Tiere, ihre Ernährung, Lebensraum und so weiter fasziniert mich sehr. Auch bin ich überrascht, wieviel es zu Lernen gibt. Zum Beispiel den Kräutermix, also die Nahrung für die Elche zuzubereiten, ist sehr wichtig.“ Hier muss sogenanntes Prossholz beigefügt werden, damit die Elche etwas zum Knabbern haben – eben wie in der freien Natur.
Der Tagesablauf von Hans Müller beinhaltet zurzeit die Pflege, das heißt, das Säubern, Wasser geben und Füttern von Mäusen, Gänsen, Hühnern (wobei die beiden letzteren freigelassen werden), anschließend die Kaninchen, Meerschweinen, der Dachs, bei dem auch die bei Nacht gegrabenen Löcher zugescharrt werden müssen. Weiter geht es mit den Iltisfrettchen, dem Steinmarder „Filou“ und im Anschluss den Rotfüchsen. „Wir haben hier keine Zeit für Hetze. Stress projiziert sich nur auf die Tiere. In der Ruhe liegt die Kraft“, meint der Azubi, während er den Trog mit Futter für die Füchse auffüllt.    Zugleich begeistert als auch ernst berichtet Hans Müller, dass ihm der „Bildungsauftrag“ für Menschen bei der Ausbildung mit am Wichtigsten ist. Denn dafür sei die Alte Fasanerie Hanau optimal geeignet, da hier alles so weitläufig ist, dass man nicht immer alles gleich auf den ersten Blick sehen könnte. Auch könne ein Spaziergang sehr erfüllend und motivierend sein. Seiner Tierpflegermeisterin Hanni Patek, die er „beruflich als auch persönlich“ sehr schätzt, ist er sehr dankbar für die fundierte Ausbildung.
Das Wichtigste für ihn ist, generell Spaß bei der Ausbildung zu empfinden, für die er sich entschieden hat. Der Kontakt mit den Besuchern, die mit Hintergrundinfos „gefüttert“ werden können, wird in der Alten Fasanerie Hanau-Klein-Auheim gerne gesehen und lockt mehr und mehr Familien an, die ihre Freizeit hier gerne verbringen möchten.

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