Von der virtuellen in die analoge Realität

Frankfurt (fpf). Die Gamer unter euch dürften sie kennen: Escape Games, bei denen es darum geht, als Spieler – meist in der Egoperspektive – aus einem verschlossenen Raum zu entkommen, indem man Logikrätsel löst und dafür die im Gefängnis vorhandenen Gegenstände und versteckten Hinweise benutzt. Ein Spiel also, das Geduld, Ausdauer, Geschicklichkeit, logisches ebenso wie kreatives Denken sowie Kombinationsfähigkeiten fordert. Und da das Szenario sich ja im Grunde geradezu dafür anbietet, hat es nicht lange gedauert, bis jemand darauf gekommen ist, das Konzept der Escape Games vom Bildschirm in die Realität zu übertragen.live

Die realen Live Escape Games nehmen ihren Ursprung – je nach Quelle – in Japan oder den USA; Vorreiter in Europa waren aber zweifellos zwei Brüder aus Ungarn, die im Jahr 2011 ihre ersten Spielräume eingerichtet haben. Wie in der virtuellen Vorlage werden bei Live Escape kleine Gruppen von Personen – in der Regel zwischen zwei und sieben Leuten – in einen Raum eingesperrt, aus dem sie dann innerhalb von 60 Minuten zu entkommen versuchen.
Im Zimmer selbst warten natürlich, ebenfalls wie in der Computerversion, diverse Einrichtungsgegenstände und mehr oder minder verborgene Hinweise, die es zu kombinieren gilt, um der eigenen Befreiung näher zu kommen. Aber – und hier fängt der Spaß erst richtig an – ob etwa ein Bild an der Wand Teil der Rätsel ist oder aber einfach nur nette Dekoration, ob die Bücher im Regal etwas zu bedeuten haben und was daran wichtig ist, und wo man denn nun eigentlich anfangen soll, da die Rätsel schließlich oft aufeinander aufbauen, aber natürlich nicht durchnummeriert sind:  all das müssen die Spieler selbst herausfinden, und das kann gehörig knifflig sein.
Zum Glück aber werden die Räume von den Spielleitern durch Kameras überwacht. Über einen Monitor, der auch die verbleibende Zeit herunterzählt, sowie über ein kleines Mikrofon können durchaus zusätzliche Tipps übermittelt werden, falls die eingesperrte Gruppe völlig auf dem Schlauch steht oder sich in einer falschen Fährte verrennt. Leicht aber wird das Spiel auch dadurch nicht, und es wird keineswegs pauschal jeder Gruppe zum Sieg verholfen – tatsächlich bleibt Live Escape oft bis zur buchstäblich letzten Minute ein echter Nervenkitzel.
In Deutschland ist das Konzept 2013 angekommen – zunächst vorgestellt im Rahmen eines experimentellen, interaktiven Theaterstücks – und wird inzwischen von über einhundert Anbietern offeriert. Dabei ist die Variationsvielfalt und Kreativität der spielbaren Räume bemerkenswert: Meist stellt ein Anbieter gleich mehrere verschiedene, thematisch eingerichtete Zimmer zur Verfügung, die oft noch in zwei bis drei unterschiedlichen Schwierigkeitsgraden bespielt werden können, und es locken allein in Frankfurt etwa so spannende Szenarien wie ein Gefängnisausbruch aus dem Raum „Alcatraz – Prison Break“, Mordermittlungen bei „Agatha C.“ oder ein Raubüberfall im „Motel California“. Obwohl es offiziell kein Mindestalter gibt, weisen die meisten Veranstalter daraufhin, dass das Spiel sich an Jugendliche und Erwachsene richtet, wobei die leichteste Stufe für Kinder ab zwölf Jahren in Begleitung älterer Mitspieler zu meistern ist.
Tatsächlich ist Live Escape längst nicht mehr nur ein wirklich brillantes Freizeitvergnügen für Freunde und Familie, sondern wird häufig sogar von Firmen als Veranstaltung zur Stärkung der Teamfähigkeit gebucht. Ein Trend, der garantiert noch großes Wachstumspotential hat – spannend, abwechslungsreich und ein Garant gegen Langeweile, der zudem zeigt, dass die generelle Tendenz zur Digitalisierung durchaus nicht nur einseitig ist: Hier wird die virtuelle in die analoge Realität übersetzt, und das Ergebnis begeistert erwiesenermaßen Gamer wie Laien gleichermaßen. Wer also noch nach einer tollen – und derzeit noch exotischen – Aktivität etwa für die nächste Geburtstagsparty oder einfach nur einen lustigen Freitagabend sucht, dem sei gesagt: Unbedingt ausprobieren!

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