Dein letzter Gottesdienst?

Und wieder einmal sind wir mittendrin in der alljährlichen Zeit der Konfirmationen, Kommunionen und Firmungen. Familien ziehen sonntags festlich gekleidet in die Kirche, und nach dem feierlichen Gottesdienst gibt es ein Fest und Geschenke. Dass letztere für zahlreiche Kinder und Jugendliche das eigentlich Interessante an der ganzen Sache sind, und dass man viele von ihnen danach tatsächlich allenfalls noch an Weihnachten oder zu besonderen Anlässen in der Kirche sehen wird – das ist ein offenes Geheimnis, wird allerdings nur sehr ungern offen ausgesprochen. Gerade hier aber setzt ein schonungslos ehrliches und erfrischend anderes Jugendsachbuch des renommierten Autors Nikolaus Nützel nun an: Er stellt die verpönte Frage, fragt sich aber auch, wie es dazu kommt – und ob es so sein muss. Ein wirklich tolles Geschenk zum Fest, aber auch für alle anderen jugendlichen und erwachsenen Gläubigen und Zweifler absolut lesenswert!

Dein letzter Gottesdienst von Nikolaus Nuetzel
Dein letzter Gottesdienst von Nikolaus Nuetzel

Mit 18 Jahren ist Nützel aus der Kirche ausgetreten. 24 Jahre später ist er wieder eingetreten. Nicht, weil er eine plötzliche Erleuchtung erfahren hat, sondern weil er sich in der Zwischenzeit viele Gedanken über die Kirche und ihre Bedeutung gemacht und auch analysiert hat, weshalb sie ihm als Jugendlichem nach der Konfirmation erst einmal so gar nichts mehr zu sagen hatte. Und genau diese Überlegungen stellt er in dem Buch für und mit Jugendlichen gemeinsam an – ohne Denkverbote nimmt er gründlich und fundiert, vor allem aber ausgesprochen zugänglich und auf Augenhöhe zur Zielgruppe den Glauben unter die Lupe.
Da geht es um Dinge wie die Zugänglichkeit: Mal ehrlich, warum wissen im Gottesdienst denn meist nur die Alten, wann man aufstehen muss, was man in der Wechselrede bei den Fürbitten sagen muss, wie das mit dem Erbarmen ist? Mit der Konfirmation oder Firmung soll man doch eigentlich dazugehören – das fühlt sich aber oft gar nicht so an! Was bedeutet also die Konfirmation oder Kommunion, und warum gibt es sie? Was gehört dazu, und wozu sagt man denn überhaupt „Ja“, bevor der Pfarrer einen segnet?
Wie, wo und vor allem in welchem Maß Kirche und Glauben in unser aller Leben hineinwirken und weshalb die Bibel manchmal so angestaubt wirkt, es aber gar nicht sein müsste. Was einen Christen heute ausmacht, und in welcher Tradition wir stehen – einschließlich unschöner Kapitel wie der Kreuzzüge. Ob es bessere, coolere, ungezwungenere Alternativen gibt, und ob eine Welt ohne Kirche womöglich auch eine Option wäre. All diesen Fragen geht der Autor nach, und er betrachtet sie ausgewogen, differenziert und stets fair. Das Buch will weder abschrecken noch für Kirche oder Glauben werben – es will vielmehr zum kritischen Nachdenken und Abwägen anregen, und das gelingt auf bemerkenswerte Weise.
Ein Buch, das anders, einzigartig und tatsächlich fesselnd ist – und gerade in unserer heutigen Zeit vielleicht einmal wirklich dringend nötig war. Eine absolut gelungene, tatsächlich auch für junge Leser ansprechende Lektüre, und somit eine unbedingte Leseempfehlung!     (fpf)

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