Lernen für die Jugendarbeit

Gelnhausen (mr). „Lasst euch immer die Nummern der Eltern für den Notfall geben“, sagt Susanne Simon-Schramm vom Jugendbildungswerk des Main-Kinzig-Kreises zu den 16 Seminar-Teilnehmern, denen sie gerade wichtige Schritte für Zeltlager und Ausflüge mit Kindern und Jugendlichen erklärt. Im Sitzkreis haben sie in einem Raum im Main-Kinzig-Forum in Gelnhausen Platz genommen. Sie alle wollen die Juleica, die Jugendleitercard, erhalten oder verlängern.

„Und stellt sicher, dass es einen Ansprechpartner gibt, der auch da und erreichbar ist“, erklärt Susanne Simon-Schramm. „Denn es bringt euch recht wenig, wenn ihr die Nummer der Eltern habt, die aber die Zeit ohne Kind nutzen und selbst wegfliegen. Es muss also immer jemanden geben, der kommen kann. Das gilt zum Beispiel auch wenn sich das Kind daneben benimmt und gegebenenfalls abgeholt werden muss.“
Die Seminarleiterin steht zwischen zwei Flip-Charts, auf denen die wichtigsten Punkte zu einem Zeltlager-Ausflug zusammengetragen sind. Bereits seit dem frühen Samstagmorgen sitzen die Teilnehmer zusammen. Bis zum Nachmittag haben sie die Themen Sexualstrafrecht, Kindeswohl und Prävention durchgenommen. Nun ist Organisation und Planung an der Reihe. Die Teilnehmer im Alter zwischen 14 und 50 Jahren wirken zwar etwas müde von dem langen Tag voller Informationen, aber noch immer interessiert. Viele von Ihnen arbeiten ehrenamtlich mit Kindern. Etwa während der Ferienspiele oder in Vereinen. Unter ihnen sind Einsteiger und auch alte Hasen, wie Simon-Schramm sagt. „Wichtig ist auch, dass ihr bei eurer Arbeit mit Kindern und Jugendlichen als Team arbeitet. Macht nicht alles alleine. Die Aufgaben sollten so verteilt werden, dass jeder das macht, was er am besten kann“, so der Rat der Seminarleierin. Keine sollte sich alleine alles aufhalsen, denn so verliere man schnell den Spaß an der Jugendarbeit.
„Die Juleica-Seminare sind für jeden offen, der sich für die Arbeit mit Kindern und Jugendlichen interessiert oder auch familiär mit ihnen zu tun hat und sich bei gewissen Dingen einfach weiterbilden möchte.“ So komme es auch vor, dass Eltern oder Großeltern ab und zu unter den Teilnehmern sitzen. Doch vor allem gehe es bei den Juleica-Seminaren um diejenigen, die in der Jugendarbeit tätig sind.
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Neben der vielen und auch wichtigen Theorie ist jedoch auch etwas anderes für die Arbeit mit Kindern und Jugendlichen von Bedeutung: altersgerechte Beschäftigung. Nach dem langen Tag voller Input werden nun die Stühle zur Seite geschoben, sodass in der Mitte des Raumes viel Platz entsteht. Spiele ausprobieren ist nun angesagt. „Achtet bei der Wahl der Spiele darauf, dass sie für die Kinder nicht beschämend sind. Macht zum Beispiel Spiele, bei denen die Schuhe ausgezogen werden müssen davon abhängig, ob Kinder kaputte Klamotten haben. Manche Kinder tragen Socken mit Löchern und schämen sich dann, wenn die anderen das sehen. Auch sollen die Kinder nicht überfordert werden. Malen ist zum Beispiel auch nicht für jedes Alter geeignet. Daher sollten die Spiele oder Beschäftigungen altersgerecht sein.“
Doch auch das Kennenlernen einer Gruppe ist wichtig. Mit Zetteln legt Simon-Schramm dann die Eckpunkte eines Vierecks auf den Boden, das dem folgenden Viereckspiel seinen Namen gibt. Auf den Zetteln steht jeweils mit dem passenden Bild dazu: Pizza, Nudeln, Gemüse und Braten. „Jetzt stellt sich jeder zu seinem Lieblingsessen.“ Die Teilnehmer gruppieren sich um die vier Zettel. Nudeln und Pizza machen dabei eindeutig das Rennen. Es muss nicht nur nach Essen gefragt werden, auch persönliche Dinge sind in Ordnung. Doch auch dabei gibt es einiges zu beachten. „Wichtig ist, dass ihr nicht danach fragt, wohin der letzte Urlaub ging oder welches Haustier die Kinder haben. Denn ihr müsst immer bedenken, es können Kinder darunter sein, deren Familie sich keine Urlaubsreise oder Tiere leisten kann.“ Besser sei es zum Beispiel, zu fragen, wohin man gerne reisen würde oder welches das Lieblingstier ist. Diese Fragen werden natürlich auch gleich gespielt. Dabei kamen die Teilnehmer über die Gemeinsamkeiten untereinander ins Gespräch. Der Zweck der Übung ist erfüllt. „So erreicht ihr, dass sich Teilnehmer, die sich vielleicht gar nicht kennen, näher kommen und Gemeinsamkeiten entdecken.“
Doch auch Interaktionsspiele sind ein wichtiges Bestandteil. So verteilt die Seminarleiterin halbe Fußmatten an die Teilnehmer. Die sollen sich im Kreis aufstellen und die Fußmatten auf den Boden legen. Die gummierte Seite nach untern. „Jetzt stellt sich jeder mit beiden Füßen auf die Matte.“ Gesagt getan. Doch nun wird es knifflig. Die Teilnehmer sollen sich alphabetisch nach ihren Vornamen aufstellen. Dabei müssen die Füße immer auf den Matten bleiben. „Um euch herum ist ein Sumpf mit Krokodilen. Wer nicht auf der Matte steht landet im Wasser, “ sagt Simon-Schramm. Es sei gerade bei jungen Teilnehmern wichtig, auch eine Geschichte um das Spiel zu erzählen, das mache die Sache spannender. Absprache und gegenseitige Hilfe ist bei dem Spiel auf jeden Fall gefragt. Denn auf den durchgeschnittenen Matten ist für erwachsene Menschen nicht viel Platz. Erst recht nicht, wenn man versucht den Platz mit dem Nachbarn zu tauschen. So werden Hände gereicht, Schultern angefasst oder Umarmungen getätigt, um aneinander vorbei zukommen.  Letztendlich schaffen es alle auf den richtigen Platz und reihum sind alle alphabetisch aufgestellt. „Das Spiel würde ich aber nicht mit Jugendlichen in der Pubertät spielen“, sagt eine Teilnehmerin. Sie gibt zu bedenken, dass es ab einem gewissen Alter mit dem vielen körperlichen Kontakt untereinander schwierig wird.
Eine weitere herausfordernde Aufgabe ist das Ablegen eines Hola-Hoops, der gemeinsam von allen auf dem Zeigefinger einer Hand balanciert wird. „Das Spiel ist nicht für alle Gruppen geeignet und sollte auf keinen Fall am Anfang gespielt werden. Geht das schief, kann die Situation eskalieren. Es  kommt unter Umständen zu Schuldzuweisungen, wenn der Reifen fällt. Das Spiel führt verdeckte Konflikt zu Tage, die sich vielleicht über längere Zeit aufgestaut haben und dann rauskommen“, sagt Simon-Schramm. Denn das Spiel baut darauf, dass alle zusammen arbeiten, um den Reif langsam auf dem Boden ablegen zu können. Dazu muss im gleichen Tempo gearbeitet werden. Die Juleica-Teilnehmer schaffen es im ersten Versuch. Simon-Schramm lobt das gute Zusammenwirken der Gruppe, das nicht selbstverständlich sei. Man sehe daran, dass die Teilnehmer gewohnt seien, in einem Team zu arbeiten und sozial zu interagieren. „Man braucht dazu aber auch gesunde Knie“, sagt ein Teilnehmer, der lange Zeit bis zur Ablage des Reifens in der Hocke verbracht hat, scherzhaft.
Nach noch einigen weiteren Spielen neigt sich der Seminar-Tag dem Ende zu. In der nun folgenden Feedbackrunde werden vor allem die Spiele gelobt. Doch auch der Theorieteil hat seinen Zweck erfüllt und die Teilnehmer informiert, wie sie angeben. „Ich habe neue Ideen sammeln können“, sagt ein Teilnehmer. Eine andere Teilnehmerin lobt die gute Gruppenatmosphäre.
Simon-Schramm fasst zusammen, was die Inhalte des Seminars waren und worauf die Teilneher achten sollen. „Was auch in eurer Arbeit mit Kindern und Jugendlichen auf euch zukommen wird, vertraut eurem Bauchgefühl“, gibt sie ihnen  als Rat mit auf den Weg. Diesen und die Anregungen sowie Informationen können sie nun zukünftig bei ihrer Jugendarbeit einsetzen.

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