Theaterspielen erfordert Mut

Hanau (mab). Seit mittlerweile 30 Jahren leitet die Schauspielerin, Regisseurin und Theaterpädagogin Brigitte Kucharzewski die Theatergruppe „Confusion“ des Hanauer Jugendbildungswerks. Am Samstag, 25. Juni, feierte die neue Inszenierung des Ensembles „Der eingebildete Kranke“ im Jugendbildungs- und Kulturzentrum Hans Böckler Premiere. In einem Interview mit der GNZ erzählt die Gruppenleiterin über ihre Arbeit mit Jugendlichen.

GNZ: Frau Kucharzewski, wie ist die Premiere am vergangenen Samstag gelaufen?

Brigitte Kucharzewski: Der Abend war eine großartige Erfahrung für unser Ensemble. Dabei haben wir bis zum Schluss den Atem angehalten, dass jeder seinen Text beherrscht. Vier unserer Darsteller haben in diesem Jahr ihr Abitur gemacht, da standen wir zuletzt doch etwas unter Druck. Doch bei der Premiere war die Spielfreude bei den Jugendlichen auf der Bühne groß, und auch das Publikum hat herzhaft gelacht.

Erzählen Sie doch einmal etwas über Ihr Ensemble!Bild IMG_2872 zugeschnitten

Die Leitung der Gruppe „Confusion“ habe ich vor rund 30 Jahren übernommen. Momentan besteht das Ensemble aus elf Mitgliedern im Alter zwischen 15 und 21 Jahren. Wir treffen uns einmal in der Woche im Hans-Böckler-Haus, um unsere jährliche Aufführung vorzubereiten. Dazu gehört neben dem Proben auch der Bau von Requisiten, das Schminken oder der Entwurf von Flyern und Plakaten. Unsere Mitglieder machen alles selbst. Neben dem Proben vermittle ich den Jugendlichen Kenntnisse in Stimmbildung und Bühnenpräsenz. Die Teilnehmer lernen, sich selbst und ihre Wirkung auf andere sensibler wahrzunehmen.

Erfordert das Theaterspielen, gerade im Jugendalter, für Jungen eine größere Überwindung als für Mädchen?

Immerhin vier von elf Mitgliedern sind männlich, das ist schon recht viel. Und ja, es erfordert wirklich Mut, als Junge auf die Bühne zu gehen. Viele denken, Theater sei etwas für Mädchen. Wer sich dann dennoch entscheidet, mit uns zu arbeiten, beweist große Courage.

Was lernen die Jugendlichen bei der Theatergruppe außer dem Schauspielen?

Zum einen stärkt das Theaterspielen das Selbstbewusstsein der Jugendlichen. Das Lampenfieber zu überwinden ist ein unglaubliches Erfolgserlebnis. Zum anderen lernen die Teilnehmer auf ihre Mitspieler zu reagieren und mit diesen zu improvisieren, wenn etwas schief geht oder etwas Unerwartetes geschieht. Also fördert das Theaterspielen auch soziale Kompetenzen. In der Schweiz werden mittlerweile Führungskräfte von Theaterleuten geschult. Ganz viele unserer Mitglieder entdecken aber auch einfach ihre Liebe zum Theater. Die erfolgreiche Regisseurin Jorinde Dröse, die mittlerweile in Hamburg inszeniert, ist in Hanau aufgewachsen und hat bei „Confusion“ ihre ersten Theatererfahrungen gesammelt.

Wie kann man Mitglied der Theatergruppe werden? Gibt es so etwas wie ein Vorsprechen?

Im Prinzip kann jeder Jugendliche zu unserer Gruppe stoßen. So etwas wie ein Casting gibt es bei uns nicht. Ich gehe grundsätzlich davon aus, dass jeder Theaterspielen kann, der offen dafür ist, etwas Neues auszuprobieren. Wer Spaß am Stück hat, spielt gut, ist meine Devise. Allerdings steht bei „Confusion“ das Team im Vordergrund, Diven, die nur sich selbst in den Mittelpunkt rücken wollen, passen nicht zu uns. Oft rufen mich Eltern an, um ihre Kinder im Jugendtheater anzumelden. Da sage ich dann meistens, dass die Interessierten sich selbst bei mir melden sollen. Wichtig ist es, dass die Entscheidung, Theater zu spielen, von den Jugendlichen, nicht von Eltern oder Lehrern ausgeht.

Wie begeistern Sie Jugendliche für Stoffe wie etwa Molières „Der eingebildete Kranke“?

In diesem Fall musste ich das gar nicht. Die Idee zum Stück ging von der Gruppe aus. Nachdem wir im vergangenen Jahr das Stück „Endstation“ aufgeführt hatten, das sich mit ernsten Themen wie Mobbing oder Amoklauf beschäftigt, wollten die Jugendlichen nun eine Komödie spielen. Der Vorschlag zum Molière-Stück kam ebenfalls von den Teilnehmern selbst. Ich war zunächst skeptisch, ob so ein langer und alter Text geeignet sei. Wir haben uns dann entschieden, die beiden Hauptrollen auf jeweils zwei Darsteller zu verteilen. Außerdem haben die Jugendlichen einige Elemente im Stück aktualisiert. Die lange Gesangspassage aus dem Barockstück etwa wird in unserer Version beispielsweise gerappt.

Wie entscheiden Sie, wer welche Rolle spielt?

Auch die Besetzung wird bei uns im Team entschieden. Am Anfang probieren alle verschiedene Rollen aus, bis wir der Meinung sind, dass jeder zu der Figur, die er verkörpert, passt. Die Jugendlichen können sich wirklich gut selbst einschätzen und merken sehr schnell, ob das funktioniert oder nicht.

Was unterscheidet „Confusion“ von einer Schultheatergruppe?

In Schulen stehen die Darsteller unter einem größeren Druck. Oft werden die Stücke dort ja vor den Mitschülern aufgeführt, da haben viele natürlich Angst, sich zu blamieren.

„Der eingebildete Kranke“ ist  am Freitag, 8. Juli, Samstag, 9. Juli, und Sonntag, 10. Juli, jeweils ab 20 Uhr im Hans-Böckler-Haus, Sandeldamm 19, in Hanau zu sehen. Der Eintritt kostet 8 Euro, ermäßigt 6 Euro. Karten gibt es im GNZ-Ticket-Shop oder im Buchladen am Freiheitsplatz. Wer Interesse hat, zur Gruppe zu stoßen, kann an einem Schnuppertag im Hans-Böckler-Haus am Dienstag, 12. Juli, 17 Uhr, teilnehmen. Um Anmeldung bei Brigitte Kucharzewski (06188/9149400) wird gebeten.

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