In fiktive Rollen schlüpfen

received_1023793857705682Freigericht-Somborn. In andere Rollen schlüpfen, sich in fantastische Charaktere verwandeln – diesen Traum leben Cosplayer aus. Mira Semmel ist ebenfalls seit zwei Jahren Anhängerin dieses ausgefallenen Hobbies. Die Sombornerin hat sich in der Schule mit dem „Virus Cosplay“ infiziert.

Auf der Kopernikusschule inFreigericht gibt es eine Japan-AG, die Mira Semmel eigentlich wegen ihrer Vorliebe für Mangas besuchte. Dort traf sie jedoch auf Cosplayer, die rasch zu Freunden wurden und die sie überredeten, es doch auch einmal damit zu versuchen.
Beim Cosplay (vom englischen Costume Play) geht es darum, fiktive Charaktere nicht nur in Kostüm und Maske sondern auch in deren Verhalten und Attitüden zu kopieren. Dazu treffen sich die Kostümspieler auf Veranstaltungen, für die sich ebenfalls ein englischer Begriff, nämlich Convention, durchgesetzt hat. Auch auf der Frankfurter Buchmesse gibt es zum Beispiel regelmäßig ein solches Treffen, das quasi den „Abschluss der Saison“ markiert. Mira Semmel geht deutschlandweit auf Conventions: Dieses Wochenende zum Beispiel war sie auf der Animagic in Bonn unterwegs. Ein Traum von ihr ist es, die legendäre Comic Con in San Diego eines Tages zu besuchen.
„Auf den Treffen findet man schnell Kontakt“, sagt die 19-Jährige. „Ich habe durch Cosplay viele Freunde kennengelernt.“ Auch im Internet gibt es auf Fanseiten und in sozialen Netzwerken regen Austausch, bei dem auch Neulinge rasch Anschluss finden können.
Für Außenstehende erinnert Cosplay sehr an Karneval und Fasching, doch die Kostümspieler hören diesen Vergleich gar nicht gerne. Das liege vor allem daran, dass Cosplayer viel Zeit und Mühe in ihre Kostüme investieren – während im Karneval natürlich die meisten Kostüme fertig gekauft werden. „Ich sehe das anders, ich mag auch Karneval – aber weil ich es jetzt kann, nähe ich auch dafür meine Kostüme selbst“, sagt Mira Semmel. FB_IMG_1457468469884
Das Kostümschneidern brachte ihr jene Freundin bei, die sie auch zum Cosplay überredete. Zunächst nähte Mira Semmel mit der Hand, erst seit ein paar Monaten hat sie eine Nähmaschine. Andere Materialien – für Requisiten wie Rüstungen, Schwerter oder ähnliches – werden aus thermoplastischen Werkstoffen gefertigt, was nicht ganz einfach und auch nicht billig ist. Anleitungen fänden sich heute aber ganz leicht im Internet, zum Beispiel bei Youtube, meint  Mira Semmel. Da sie selbst auf günstige Herstellung der Kostüme achtet, greift sie auf einen Trick zurück und benutzt Fußbodendämmplatten anstatt des teuren Materials, das man ohnehin nur im Internet oder in speziellen Läden (der nächste in Frankfurt) erhält. Das ist zwar etwas schwieriger, spare aber jede Menge Geld. „Ich bin Low-Budget-Cosplayerin“, lacht Mira Semmel. „Es soll natürlich alles authentisch sein, aber wenn es günstig zu machen ist, nehme ich die Alternative.“
Das erste Kostüm, das sie sich  fertigte, war das der „Anya“ aus dem eher unbekannten Manga „Gothic Sports“. Dieses Kostüm habe jedoch auf Conventions kaum jemand erkannt. „Ich bekam keinen Zuspruch und habe fast wieder mit Cosplay aufgehört“, gibt die Auszubildende des Druck- und Pressehauses Naumann zu. Ende 2014 stieß sie jedoch auf das Marvel-Universum und fand Gefallen an der Figur des Thor-Gegners Loki. Sie schneiderte sich eine weibliche Loki-Version. „Damit bin ich richtig in die Szene reingerutscht, denn es hat vielen Leuten gefallen.“ So wechselte ihren Stil von Manga auf Filme und Comics. Zu ihrem Fundus gehören unter anderem die Kostüme von Harley Quinn, Lucius Malfoy, Pepper Potts, Poison Ivy und Black Canary.  Das aufwändigste Kostüm, das sie fabrizierte, war das von „Impa“ aus dem Game „Legend of Zelda“ – vor allem wegen des riesigen Schwertes und der vielen Rüstungsteile, die sie dazu baute. Da sie zusammen mit ihrer Freundin daran arbeitete, ging es jedoch recht schnell. „Sie ist besser im Schneidern, ich bin besser imBasteln – da helfen wir uns gegenseitig.“
Mira Semmels aktuelles Lieblingskostüm ist das von Jack Skellington aus Nightmare before Christmas. „Das ist derzeit auch mein Lieblingscharakter. Ich dachte nicht, dass ich ihn so gut darstellen könnte. Aber eine Freundin meinte, dass ich mich unterschätze und es einfach versuchen soll.“ Das Kostüm kommt auf Conventions so gut an, dass sie immer wieder um Fotos gebeten wird.
Sicher wird Jack aber niPicsArt_05-24-06.09.57cht das letzte Kostüm von Mira Senmmel sein, denn auf ihrer Agenda hat sie noch zahlreiche Kostüme: Lady Thor, Rose von Dr. Who oder Anita aus Far Cry 4 gehören dazu.
Interessant: Viele ihrer Kostüme stellen Männer dar. Für Mira Semmel besteht kein Zwang, nur das eigene Geschlecht zu präsentieren, auch wenn es darüber in Cosplay-Kreisen häufig Diskussionen gebe; auch darüber, ob kräftige Personen besonders schlanke Figuren verkörpern sollten. „Mir ist das egal: Wenn es der betreffenden Person gefällt, soll sie es machen. Letztendlich geht es doch im Cosplay gerade darum, Spaß mit seinen Freunden zu haben und nicht darum, perfekt zu sein.“

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