Kirschen im Schnee

An ihre Mutter kann sich die zwölfjährige GiGi – mit vollem Namen Galileo Galilei – kaum noch erinnern; nach deren Tod hat ihre große Schwester DiDi, die als Friseurin arbeitet, sie aufgezogen, und alles, was den Mädchen von der Mutter geblieben ist, ist ein altes Rezeptbuch, das die beiden hüten wie einen Schatz. Obwohl GiGi streng und beinahe ein wenig herrisch sein kann, gibt sie sich alle Mühe, ihre kleine Schwester auf das Leben vorzubereiten und ihr ganz im Sinne der Mutter die besten Ratschläge mit auf den Weg zu geben. Vor allem trichtert sie GiGi ein, dass Fleiß, Ehrgeiz und beständiges Lernen in ihrem Leben im Mittelpunkt stehen sollten.yeh-kat-kirschen-im-schnee
An echten Freunden mangelt es GiGi jedoch. So hofft sie auf einen Neuanfang, als ein Geldgewinn im Lotto und ein Umzug, der auch einen Schulwechsel an eine schicke Privatschule mit sich bringt, ihr die Möglichkeit zu bieten scheinen, sich ganz neu zu erfinden. Mit einem neuen Namen, den sie sich selbst wählt, und einem neuen Auftreten scheint dies auch zunächst richtig gut zu gelingen. Doch Freundschaften bringen bisweilen auch Probleme mit sich. Auch an Privatschulen gibt es Neid und Mobbing, und auch schlicht und ergreifend die Pubertät an sich macht bald nicht nur GiGi das Leben schwer, sondern belastet auch zunehmend das Verhältnis zu ihrer Schwester. Und obwohl die beiden sich über alles lieben, ist es für keine von ihnen leicht, von den eigenen Prinzipien abzuweichen, aufeinander zuzugehen und wieder zu einem gegenseitigen Verständnis zu kommen. Für das Leben gibt es nun einmal vielleicht kein perfektes Rezept. Die zwölfjährige GiGi erzählt ihre Geschichte in Ich-Perspektive. Als nahbare, glaubwürdige und ausgesprochen sympathische Protagonistin nimmt sie den Leser sehr schnell für sich ein und bindet ihn somit auch emotional an ihre Erzählung. Nicht nur GiGi, sondern auch ihre Schwester und nahezu alle zentralen Nebenfiguren überzeugen als vielschichtige, interessante und charismatische Charaktere, die der Geschichte Leben einhauchen und sie unmittelbar zugänglich machen. So liest sich der Text flüssig und zieht den Leser unmittelbar in seinen Bann – nicht zuletzt auch deshalb, weil die im Grunde eher emotional fokussierte Geschichte durch immer wieder unerwartete Wendungen und Entwicklungen durchaus einen effektiven Spannungsaufbau zu generieren vermag. Zudem ist die Erzählung nicht nur inhaltlich und stilistisch ansprechend, sondern das Buch auch als Ganzes mit großer Liebe zum Detail und viel Herzenswärme gestaltet; so sind etwa vielen Kapiteln Rezepte vorangestellt, die oft neben Zutaten und Backanleitung auch Ratschläge und Lebensweisheiten beinhalten, die nicht nur für die Protagonistinnen von Bedeutung sein können. Zusammen mit dem originellen Cover und der kreativen typographischen Gestaltung bietet die Autorin somit nicht nur eine wirklich zu Herzen gehende Geschichte, die tatsächlich gute Laune vermittelt, sondern das gewisse Extra, dass das Buch zu einem ganzheitlich tollen und empfehlenswerten Leseerlebnis macht.      (fpf)

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